Yoga und Spiritualität

Yoga wird im allgemeinen immer mit Spiritualität in Verbindung gebracht. Was genau aber ist Spiritualität? 

 

Der Begriff kommt aus dem lateinischen „spiritus“ was „Geist, Hauch“ bedeutet. Spiritualität bedeutet in diesem Sinne eine Weltanschauung, die im Geistigen, im Transzendenten die Grundlage der Welt und alles Materiellen sieht. Über diese Dimension des Geistes existieren heute viele verschiedene Vorstellungen. Allgemein kann gesagt werden, dass unsere heutige westliche Kultur sehr stark von wissenschaftlichen Thesen geprägt ist. Der Sinn für feinere Zusammenhänge des Lebens ist weitgehend verloren gegangen und die gesamte Sichtweise ist hauptsächlich  intellektuell und von abstrakten Begriffen geprägt. Indem das Geistige, das Wesenhafte, das allen Dingen zugrunde Liegende dem menschlichen Bewusstsein immer mehr entschwindet, hat der Mensch seine schöpferische Stellung die er gewissermaßen zwischen Geist und Welt einnimmt, weitgehend verloren. 

In den vielen verschiedenen existierenden Yoga-Richtungen findet sich zum Thema Spiritualität eine sehr unterschiedliche Handhabung. Auf der einen Seite steht ganz der Wert der gesundheitsfördernden Wirkung der Yoga-Übungen im Vordergrund. Yoga wird als Gesundheitsvorsorge betrachtet und als Methode zu einem entspannteren, stressfreieren Leben unterrichtet. In diesem Sinne wird Yoga heute in Fitnessstudios und Volkshochschulen angeboten und erfreut sich großer Beliebtheit. Die tiefere philosophische Bedeutung, die Yoga zugrundeliegt, hat hier keine Bedeutung. Man gewinnt vielmehr den Eindruck, die zahlreichen angebotenen Formen orientieren sich an den Bedürfnissen der Teilnehmer nach Wohlbefinden, gesteigerter Vitalität, größerer Beweglichkeit und Entspannung.

 

Dem gegenüber stehen Yoga-Formen, die mit verschiedenen Techniken die sog. prana-Energie als spirituelle Kraft zum Erwecken bringen, mit Atemübungen (pranayama) energetische Erfahrungen und eine Steigerung der Lebensenergien anstreben und auch mystische Erfahrungen herbeiführen, die den Teilnehmer tief in das eigene Innere eintauchen lassen. Yoga wird verstanden als Einheits- und Harmoniegefühl mit sich selbst und anderen, als göttlicher Zustand, der aber nicht genau definiert wird und mehr dem subjektiven Erleben überlassen bleibt.

 

Wie kann nun hier eine Mitte in der Übungsgestaltung gefunden werden, die sowohl die gesundheitliche Komponente stärkt aber auch einen bewussten spirituellen Fortschritt für den Einzelnen ermöglicht?

 

Dank der langjährigen Forschungsarbeit von Heinz Grill sind uns mit dem Neuen Yogawillen sehr konkrete Aussagen zur seelisch-geistigen Dimension des Menschen zugänglich. Sie wurden von ihm den einzelnen asana als sog. Imaginationen zugrunde gelegt. Wird die körperliche Praxis mit einer Auseinandersetzung mit diesen Inhalten kombiniert und die Übungsweise bewusst gestaltet, entwickelt der Übende feinere seelische Empfindungen, die ihm klare und differenzierte Lernschritte eröffnen. Diese konkreten Erfahrungen werden erweiternd in das bisherige Bewusstsein integriert und finden dann ihre mit persönlichen Zielen einhergehende individuelle Ausgestaltung im jeweiligen sozialen Umfeld des Übenden.

 

Durch die Beziehungsaufnahme zu den tieferen Sinnbildern der asana erwirbt der Übende eine reifere menschliche Haltung, die auch universale Gesetzmäßigkeiten einbezieht. Auf diese Weise entsteht ein Fortschritt, der nicht unerheblich ist. Neues wird dem Bisherigen hinzugefügt. Alte fixierte Einstellungen, Halbwahrheiten, ungünstige Denkweisen können sich zugunsten eines integraleren Verständnisses für Zusammenhänge ablösen. Für die gesamte Lebensgestaltung lassen sich daraus wieder neue Perspektiven entwickeln, was sich zudem heilsam und regenerierend auf die gesamte gesundheitliche Konstitution auswirkt.