Die Wertekriterien

Aus dem umfangreichen Werk des Neuen Yogawillen hat ein kleines Team von Yogalehrern die darin enthaltenen Werte und Ideale zusammengefasst. Auf deren Basis kann eine Forschungsarbeit mit den asanas begonnen und die Werte laufend erweitert werden. 

 

Auch zur Reflektion der eigenen Yoga-Praxis bzw. des Yoga-Unterrichts geben diese Kriterien eine wertvolle Hilfe. Und schließlich bieten sie ein fast unerschöpfliches Feld für weitere Zielsetzungen in der eigenen Arbeit.

Auszugsweise möchten wir Ihnen zwei Beispiele nennen für mögliche Werte:

 

Die Expression und die Perfektion

In dem Neuen Yogawillen wird ein großer Wert auf den künstlerischen Ausdruck gelegt. In der Praxis geht es nicht um die Perfektion, sondern vielmehr um die Expression der Übung. Die Bewegungen, die demonstriert werden, sind nicht nur eine körperliche Form, sondern stellen den Gedanken, der gedacht und empfunden wird, dar. Die Perfektion der Übung und die akrobatische Leistung bekommen dadurch einen zweitrangigen Stellenwert.

 

Die Imaginationen und die Emotionen

Heutzutage wird der Yoga bzw. der Yogakurs oft wegen seines Nutzwertes aufgesucht. Der Teilnehmer sucht die Energie der Übung, die gesundheitlichen Vorteile oder sogar Emotionen, die mit der Stellung verbunden sein können. Hier wird aber vielmehr die Aufmerksamkeit auf die Ausdrucksformen gelegt. Es wird nicht versucht, aus der Übung etwas herauszunehmen oder Emotionen auszuleben, sondern der Übende lernt, eine Imagination soweit zu ergründen, dass sie in der Bewegung, in der asana, einen Ausdruck findet.

Wenn das Bewusstsein beim Praktizieren zu viel von Emotionen geführt wird, ist der Ausdruck der Übung oft undifferenziert, wolkenartig und wirkt in sich etwas abgeschlossen. Ist dagegen das Gedankenleben mehr fixiert, drückt sich in der Übung mehr eine Starrheit aus. Indem die Bewegungen aus einer aktiv gebildeten, gedanklichen Vorstellung gestaltet werden, findet das Bewusstsein eine günstige und harmonische Verbindung zum Körper. Das Bewusstsein formt den Körper, lässt ihn zugleich frei und behält eine Übersicht über die Ausformung der Bewegung. Es bleibt weder zu tief an die Körperebene gebunden, indem es eine Leistung anstrebt, noch zu wenig, indem es den Körper nicht gestaltet und formlos lässt. Wenn die Bewegung aus einer Imagination geführt wird, dann ist der Ausdruck der Übung sehr klar, weich und flexibel, aber zugleich gestaltet und dynamisch. Es entsteht eine sehr lebendige, kommunizierende "Expression".