Die Leberatmung

Diese dritte Form der Atmung hängt mit dem zeitlichen und perspektivischen Aspekt des Lebens zusammen. Zukunft und Vergangenheit bilden im Leben eine Polarität und trotzdem hängen sie miteinander zusammen.

Die Erfahrungen der Vergangenheit, ob positiv oder negativ, prägen das Bewusstsein des Menschen und bestimmen wieder seine Handlungen und seine Denkstrukturen für die Zukunft. Das Leben ist aber ein Werdeprozess und es möchte den Menschen nicht im Alten, Gewohnten festhalten sondern ihn physisch sowie psychisch in eine flexiblere Beweglichkeit führen.

Betrachten wir den Körper, so zeigt sich mit dem Ober- und Unterkörper auch eine Polarität. Viele Kursteilnehmer haben in den Unterrichtsstunden Probleme mit der Sitzhaltung auf dem Boden. Die Hüfte will nicht nachgeben und die Knie kommen dadurch nicht auf den Boden. Fehlt dies aber, kann auch der Oberkörper nicht entspannt werden und sich leicht und frei aufrichten. Abgesehen von der Mühe und den Schmerzen, die das verursacht wird es schwer fallen, sich für einige Minuten konzentriert einer Sache hinzuwenden. Es lastet der Oberkörper beschwerend auf den unteren Rückenpartien und verhindert das natürliche Fließen der Atmung in den Bauchraum.

 

Eine geschmeidige Beweglichkeit in den Beinen und der Hüfte hingegen führt zu einer leichten Bewegung des Oberkörpers und zu einer freieren Denk- und Sinnestätigkeit. Wie aber kommt man dahin?

"Es gibt ein Loslassen und ein Aktivwerden in unabhängiger Weise. Das gesamte Bewegungsleben bedarf um des günstigen Funktionierens willen immer eines entspannten Loslassens, eines Hingebens von Fixierungen und eines bewussten Aufnehmens und Beginnens von neuen dynamischen Bewegungs-momenten."  (Heinz Grill, Ein Neuer Yogawille und seine therapeutische Anwendung bei Ängsten und Depressionen)

  

Im folgenden Video ist die Möglichkeit des rhythmischen Wechsels zwischen Loslassen und Aktivwerden am Beispiel des Pfluges (halasana) dargestellt und die Bedeutung für das Leben herausgearbeitet.

 

 

Der rhythmische Aufbau einer Übung oder einer Aktivität wirkt sehr stärkend auf das Nervensystem. 

Aus einer erweiterten Heilkunde heraus betrachtet, wie wir sie in den Ausführungen von Heinz Grill und Rudolf Steiner finden, hängt das Leberorgan mit depressiven Stimmungen zusammen. Eine eigenaktive Gedankenbildung kann in depressiven Phasen kaum geleistet werden. Die geschwächte Leber zieht das Gemüt in ein phlegmatisches, passives Befinden. Einen klaren Gedanken zu fassen und ihn umzusetzen scheint nicht mehr möglich. Eine bleierne Schwere und Trägheit zeichnet das Gemüt und auch das Körpererleben.

Für diese Temperamentsanlage ist es sehr heilsam, wenn Ideen kreiert werden und diese von klaren Gedanken ausgehend rhythmisch umgesetzt werden. Dadurch werden sowohl die schöpferische Gedankenkraft als auch die natürliche Willenskraft angeregt sowie das Selbstwertgefühl gestärkt. Das gesamte Befinden befreit sich aus der Schwere und Lethargie, die Atmung wird frei und tiefer. Im wahrsten Sinne kann der Mensch wieder aufatmen und lebendig am Leben teilnehmen.