Die Nierenatmung

Diese Form der Atmung bringt den Übenden in eine bewusste Verbindung zum äußeren Raum, der ihn umgibt. Der Mensch nimmt nicht nur körperlich Raum ein, er prägt vielmehr durch seine seelische Kondition diesen Raum, der ein Raum des sozialen Miteinander ist, entscheidend mit.

Wie Menschen denken, fühlen und wie sie ihren Willen gebrauchen, erzeugt eine Kraft, die sehr fein nach außen wieder auf andere strahlt.

 

In der Übungspraxis wird besonders die Weite der Bewegung aus der Flankenregion gefördert.

 

 

Indem durch die bewusst gestaltete Übungspraxis ein Raumempfinden entwickelt wird, fühlt sich der Mensch wieder integrierter in ein größeres Ganzes. Mitgefühl, Freude und Interesse füreinander können leichter entstehen und die Außenbeziehungen mit Wärme und Anteilnahme bereichern. Gerade in der heutigen Zeit, die sehr stark von Distanzierung und Entfremdungstendenzen geprägt ist, stellt die Nierenatmung einen heilsamen Ansatz dar.

Wie erbauend ist es, wenn Menschen sich empathisch begegnen, sich in gegenseitiger Wahrnehmung füreinander interessieren und aus dem Dialog neue und nächste Möglichkeiten entstehen.

Die Nierenatmung fördert die Beziehungsfreude und die Bereitschaft sich aktiv einzubringen und das soziale Leben kreativ mitzugestalten.

Diese Kreativität Beziehungen zu gestalten erfordert für den Einzelnen eine Grenzüberschreitung seiner gewohnten subjektiven Gefühlswelt. In der Regel sind es halb bewußte oder gänzlich unbewußte Sehnsüchte die den Menschen zu immer wieder ähnlichen oder gleichen Gefühlserlebnissen führen. Es gibt wohl so viele Beispiele dafür wie es Menschen gibt. Meist wird es so sein, dass man einen Mangel, eine Schwäche bei sich selbst durch die Beziehungen mit anderen Menschen kompensiert. Dies kann sich bis zu sehr antipathischen Verhaltensweisen steigern, indem z.B. jemand andere schlecht machen, erniedrigen und ständig kritisieren muss, damit er sich selbst besser fühlen kann.

Das subjektive gewohnte Gefühlsleben bestimmt ständig die eigenen Interessen und man sucht im Leben immer wieder gleiche Bedingungen auf. Hierbei wird das Gegenüber nicht frei gelassen, es wird dazu benützt um zu den gewünschten Gefühlserlebnissen zu kommen. Statt Entwicklung entstehen Abhängigkeiten oder leidvolle Erfahrungen durch das Scheitern von Beziehungen.

 

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                                                                    Ich                                                               Du

Polare Verbindung innerhalb der körperlichen und gefühlsmäßigen Bedürfnisse

 

Die Kunst der Beziehung beginnt ab dem Moment, wo ein Mensch ein Ideal erschafft. Dieses Ideal muss einer Realität entsprechen, also auf allen Ebenen des Seins einem moralischen Wert entsprechen. Das Ideal bildet zu der linearen Ich-Du-Ebene eine dritte Instanz und lässt eine neue Beziehungsform entstehen.

Die Grenzüberschreitung besteht nun darin, das Ideal das zunächst nur eine Idee, eine Gedankenform ist, so lange zu denken und Vorstellungen dazu aufzubauen, bis es als ein Gefühl erlebt und somit individualisiert werden kann. Der Weg beginnt im Denken des Ideals das dann über die entwickelten Bewusstseinskräfte umgesetzt wird.

Es entstehen dann vollkommen neue Gefühle, die im Einzelnen bisher noch nicht angelegt waren und die nun das Beziehungsleben bestimmen. Da diese Gefühle aber aus einem objektiven und realen Ideal entspringen lassen sie die Mitmenschen frei. Wie beim Dreieck sichtbar entsteht eine räumliche Mitte. Diese Mitte beschreibt einen Raum im Inneren, einen Empfindungsraum, der eine neue Verbindung schafft innerhalb einer Ich-Du-Beziehung und sich ausweitet von einer rein menschlichen Verbindung zu einer kosmischen und geistigen Ganzheit.

 

Dieser Weg eines Entwicklungsprozesses über die Nieren und das Empfindungsleben ist in dem Buch „Das Wesensgeheimnis der Seele“ von Heinz Grill ausführlich beschrieben.

 

In der Asana-Praxis werden erweiterte Gefühle und neue Empfindungen geschaffen indem der Übende sich mit dem beschriebenen Ideal der Asana auseinandersetzt. Durch die Ideale die zu den einzelnen Übungen gegeben sind, findet der Einzelne auch zu Idealen im Leben.