Die Chakren

So wie der physische Körper Organe besitzt, sind die Chakren die Organe des Seelenleibes, oder mit dem Fachbegriff benannt, des Astralleibes.

Rudolf Steiner nannte sie "Lotusblumen".

"Diese Lotusblumen sind nun beim unentwickelten Menschen von dunklen Farben und ruhig, unbewegt. Beim Hellseher aber sind sie in Bewegung und von leuchtenden Farbenschattierungen. Wenn nun ein Geheimschüler mit seinen Übungen beginnt, so ist das Erste, dass sich diese Lotusblumen aufhellen; später beginnen sie sich zu drehen. Wenn dies letztere eintritt, so beginnt die Fähigkeit des Hellsehens. Denn diese "Blumen" sind die Sinnesorgane der Seele. Und ihre Drehung ist der Ausdruck dafür, dass im Übersinnlichen wahrgenommen wird. Niemand kann etwas Übersinnliches schauen, bevor sich seine astralen Sinne in dieser Art ausgebildet haben." (Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten, S. 117)

 

Lage der Chakren nach Arthur Avalon (Quelle: Wikipedia)
Lage der Chakren nach Arthur Avalon (Quelle: Wikipedia)

 

Von unten beginnend:

  • das muladhara chakra mit 4 Blättern
  • das svadhisthana chakra mit 6 Blättern
  • das manipura chakra mit 10 Blättern
  • das anahata chakra mit 12 Blättern
  • das visuddha chakra mit 16 Blättern
  • das ajna chakra mit 2 Blättern und
  • das sahasrara chakra als tausendblättriger Lotus

Zur Entwicklung dieser Lotusblumen werden von Rudolf Steiner ganz bestimmte Tugenden genannt, die der Aspirant zur guten Gewohnheit gedeihen lassen muss. Für die Entfaltung der 5. Lotusblume (visuddha-chakra) sind es acht bestimmte Seelenvorgänge, auf die der Mensch Aufmerksamkeit und Sorgfalt verwenden muss. Einer davon betrifft z.B. die Entschlüsse des Menschen:

"Er soll nur aus gegründeter voller Überlegung selbst zu dem Unbedeutendsten sich entschließen. Alles gedankenlose Handeln, alles bedeutungslose Tun soll er von seiner Seele fernhalten. Zu allem soll er wohlerwogene Gründe haben. Und er soll unterlassen, wozu kein bedeutsamer Grund drängt."  (Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten, S. 120)

Swami Sivananda gibt in seinem Buch "Licht, Kraft und Weisheit" sehr viele Empfehlungen für ein in Gott verwirklichtes Leben. Ohne dass er über die Chakren spricht, sind es im Grunde genommen alles Tugenden und gute Gewohnheiten, die er zur Entwicklung anregt, z.B.:

"Lege Herz, Gemüt, Intellekt und Seele selbst in dein geringstes Tun. Handle stets mit Vertrauen und Entschlossenheit. Halte fest an deinen Entscheidungen mit der Glut der Standhaftigkeit." (S. 33)

"Ein großer Teil deines Unterbewußtseins besteht aus untergetauchten Erfahrungen und Erinnerungen, die aber wiedergewonnen werden können. Du kannst im unterbewußten Geist neue Gewohnheiten, neue Ideen, neue Begriffe und Ideale, neue Tendenzen und einen neuen Charakter schaffen, indem du die alten wandelst.... " (S. 17)

 

Diese bewußt getätigte und von Swami Sivananda sogar sehr klar geforderte Veredelung und Verwandlung der eigenen Denk- und Handlungsstrukturen scheint für die Entwicklung der Chakren sehr wichtig zu sein. Schaut man sich in verschiedenen Angeboten um, zeigt sich ein anderes Bild. Da gibt es Therapien mit Handauflegen, Aromen, Edelsteinen, Massagen, Meditieren oder das sog. "Öffnen" der Chakren mit Hilfe eines Geistheilers. Oder es wird angeraten, sich mit den eigenen blockierenden Traumen und Verletzungen zu beschäftigen und diese aufzulösen, um ein Chakra wieder mehr zu energetisieren.

Welche Wege kann nun der ernsthaft interessierte und suchende Mensch einschlagen?

 

Indem die Yoga-Übungen in den letzten Jahren mehr  wegen ihres gesundheitlichen Wertes als wegen ihrer spirituellen Bedeutung praktiziert wurden, ging das eigentliche Ziel des Yoga allmählich verloren, das ursprünglich in der Bahagavad Gita mit einer Reifwerdung des Bewusstseins und einer fortschreitenden Annäherung an die höheren Welten definiert ist. Eine gegliederte, konkrete und umfassende Anschauung zu diesen höheren Welten ist unbedingt notwendig, um der Bedeutung der Chakren und den realen Möglichkeiten ihrer Entwicklung näher zu kommen.

 

Die Chakren gehören zur Dimension des Seelenlebens. Was aber ist die Seele? Was beinhaltet dieser Begriff? Wo ist die Heimat der Seele? Und welche Gesetze gelten dort?

 

"Die Seele ist das mittlere Glied in unserem menschlichen Dasein. Sie ist gewissermaßen das Bindeglied zwischen dem manifestierten Körper und dem unmanifestierten Geist. Die Seele umschließt das Bewusstsein wie auch das Unterbewusstsein. Wenn man die Seele mit dem gesamten Bewusstsein gleichsetzt, so kann man sie auch mit dem esoterischen Begriff des Astralleibes gleichsetzen. Sie ist gewissermaßen der mikrokosmische Teil im Inneren einer Persönlichkeit innerhalb eines großen makrokosmischen Ganzen. Zu diesem Kosmos zählen die Sterne, wie auch Sonne und Mond. Der Astralleib oder der Kosmos trägt in sich selbst jene Substanz, die man im umfassenden Sinn als Seele bezeichnet." (Heinz Grill, Die Seelendimension des Yoga S. 18/19).

Die Chakren, die ihren Sitz im Astralleib haben, sind dem Kosmos zugehörig. Gemäß der weiteren Ausführungen von Heinz Grill ist der Astralleib, der hier mit der Seele gleichgesetzt wird, tagsüber im Körper eingebunden und verlässt diesen in jeder Nacht wenn der Mensch schläft und strömt hinaus in den Weltenraum der Sterne. Das, was der einzelne Mensch tagsüber mit seinen Seelenkräften des Denkens, Fühlens und des Willens erschafft, strömt nachts hinaus in den Kosmos und wird für die gesamte Außenwelt verfügbar.

"Tat tvam asi" sagte der alte Inder und meinte damit: "Du bist nicht derjenige, der du durch Askese oder Übung bei dir selbst werden kannst, sondern du bist so, wie du auf die Mitmenschen wirkst, welche moralischen und edlen Beziehungen du aufbaust, welche Formen der Schönheit und Ästhetik du gestaltest und wie du diese schließlich in das nächtliche Meer der Sterne hinausträgst."

 

Es kann das Seelenleben demnach niemals nur auf sich selbst bezogen bleiben, sondern muss immer in einem Gesamtzusammenhang gesehen werden. Aus der geistigen Erkenntnissicht sowohl von Rudolf Steiner als auch von Heinz Grill wird deutlich, dass die Wirkungen des Seelenlebens auch auf die nachtodliche Welt der Verstorbenen hinüber gehen. Nicht die oberflächlichen polaren Emotionen, Leidenschaften und Körpergefühle sind es, die nun die Verstorbenen ersehnen, sondern wahre, tiefere und objektive reale Empfindungen zu den Erscheinungen des Lebens. Die Verstorbenen durchschreiten in der Läuterungsphase der nachtodlichen Welten sieben Sphären, die mit den Qualitäten der sieben Chakren in einer Analogie stehen. Sie sind über die Chakren sehr nah mit den Hinterbliebenen verbunden und nehmen aufs innigste teil an deren seelischer Verfasstheit.

 

Aus diesem Zusammenhang heraus wird deutlich, warum es den großen spirituellen Meistern und Geistforschern wichtig ist, das eigene Denken, Fühlen und Handeln zu höheren Ausdrucksweisen weiter zu entwickeln.

 

Quelle: dewullstuuv.de
Quelle: dewullstuuv.de

Der Maler Raffael hat mit der Darstellung des Erzengels Michael einen Kampf zur Anschauung gebracht, der in den Himmelsregionen stattfindet. Es ist ein Kampf um die Entwicklung des Menschen. 

"Der Erzengel will die Dominanz des weltlichen Wissens durch ein höheres Wahrheitsbewusstsein niederwerfen. Ebenso verkehrt er mit den sog. emotionalen Bindungen, die das Gefühlsleben zu stark an den Körper fixieren. Der Erzengel will wahre Empfindungen im Gegensatz zu Emotionen des Körperabhängigseins fördern. Er will mit dem irdischen Wissen die universalen Seelenprinzipien von einem Wahrheitsdenken und Wahrheits-empfinden verknüpfen und damit die Seele des Menschen auf eine Ebene erhöhen, die für diese angemessen ist, er will den Menschen zu einer universal gültigen Stellung im Kosmos erziehen...." (Heinz Grill, Die Heilkraft der Seele, S. 21)

In diesem Sinn kommt den Chakren eine sehr tiefe und weitreichende Bedeutung zu. Über die Chakren und das Studium von Beschreibungen aus seriösen Quellen eröffnet sich die tiefe Dimension der eigenen und der universalen Seele. 

Die einzelne Qualität der Chakren hat jeweils auch eine Ausdrucksform in der Bewegung. Die Kenntnis davon ermöglicht dem Yogalehrer durch die Art der Anleitung eine Empfindung für die tieferen Seelen-regionen bei seinen Teilnehmern anzustossen und damit einen Entwicklungsprozess anzuregen. Die kurzen Beschreibungen auf den nächsten Seiten zu den einzelnen Chakren sollen einen kleinen Einblick geben. 

Wer sich tiefer einarbeiten möchte, dem können die genannten Literaturhinweise eine Hilfe sein. Bei den Fortbildungsveranstaltungen des EAY-Verbandes stehen auch jeweils bestimmte Chakren im Mittelpunkt der Betrachtung. Hierzu sind alle Interessierten (nicht nur Yogalehrer) herzlich eingeladen.