Das svadhisthana chakra

Dieses Zentrum befindet sich unterhalb des Nabels auf Höhe des Kreuzbeines. Es entspricht dem Element des Wassers, das von oben nach unten fließt, sich in Bächen und Seen sammelt, wieder verdunstet und in fast unsichtbarer Weise als Dunst wieder nach oben aufsteigt. Dadurch kann dem Wasser eine verbindende Funktion zwischen der Erde und dem Luftelement zugesprochen werden.

Das Wasser hat auch die Eigenschaft, sich immer wieder zu einer Mitte zurückzuziehen und dadurch eine Gleichgewichtslage zu finden.

 

"Die Lernschritte, die der Schüler hier auf dieser Ebene mit den Übungen entwickelt, erfordern eine grundsätzliche Kraft in das natürliche Vertrauen zu einer Sache oder einem Gedanken. Ein Gedanke oder eine Vorstellung wirken auch bereits dann, wenn sie noch nicht in der Ausführung einer Übung angekommen sind."

                                                                                                             (Heinz Grill, Die Seelendimension des Yoga)

 

 Die Bewegung

 

Die Bewegung aus diesem Zentrum ist zunächst durch ein Ausfließen der Beine am Boden entlang geprägt. Der Boden wird als Fläche mit den unteren Beinpartien erspürt. Gleichzeitig erfolgt ein Strom der feinen Kontraktion von der Peripherie zurück zum Zentrum im Kreuzbein. Die Beine verbinden sich auf diese Weise geschmeidig mit dem unteren Rücken. Auf diese Weise kann der Zusammenhang der Beindynamik mit dem Oberkörper erlebt werden, der aus einer zunehmenden Aufrichtung leicht und weit nach vorne ausgleitet.

 

 

 Einbeinige Kopf-Knie-Stellung (eka pada pascimottanasana)

Eine charakteristische Empfindung zu dieser sammelnden, zentrierenden und ausgleitenden, fließenden Bewegungsdynamik aus dem svadhisthana-cakra kann durch die Beschreibungen in dieser kleinen Broschüre zu einigen wenigen asanas angeregt werden. Das Prinzip dieses cakra zeigt sich auch im Merkurwirken an der Pflanze. Ebenso stellt der Autor, Heinz Grill, den Zusammenhang des svadhisthana-cakra mit der linken und rechten Körperseite des Menschen dar. 

 

Heinz Grill, Das svadhisthana- cakra und die fließende Bewegung

Broschüre, 48 Seiten, 10 Farbbilder, 2 Zeichnungen

ISBN 978-3-941995-80-2       9 €

erhältlich im Lammers-Koll-Verlag

 

Ein Mensch, der dieses Zentrum entwickelt hat, könnte  so beschrieben werden, dass er seinen Willen zunächst zurück nimmt, erst einmal nach außen schaut, bevor er sich zu schnell mit den Verhältnissen verbindet. Indem er gut und lange genug nach außen schaut und klare Gedanken zur Sache erwägt entwickelt er eine bessere Empfindung für die Umstände oder die anderen Menschen. Die in ihm angelegten Willensimpulse bleiben zunächst ruhig. Erst nachdem er einen authentischen Eindruck gewonnen hat, worum es sich wirklich handelt, reagiert er gezielt aus der Absicht, dadurch bessere Verbindungen zu schaffen.

Er geht nicht mehr von eigenen, im Inneren aufgespeicherten Erfahrungen aus und projiziert diese nach außen. Damit kann der Mensch freier von sich selbst handeln und dadurch verbindender wirken.

 

Ausgehend von der seelischen Entwicklung ergeben sich physiologische Wirkungen:

- Die Beine und der untere Rücken werden dynamisiert. Dies führt zu einer Entstauung im                

   Unterkörper und einer Anregung des Lymphflusses. Der gesamte Gang ist von einer neuen Dynamik in

   den Beinen getragen, die sich nach aufwärts zur Wirbelsäule zentrieren und diese zu einer natürlichen

   Aufrichtung begünstigen.

- Die gesamte Körpermuskulatur wird weicher und elastischer.

- Entspannung der gesamten mittleren und oberen Rückenmuskulatur.

- Der Atem vertieft sich bis in den Bauchraum.

- Da durch das zweite Zentrum mehr die ruhige Beschaulichkeit im Menschen angeregt wird, weicht

   die willentliche Motorik im Körper zurück. Dies hat eine heilsame Wirkung auf alle Unruhezustände,

   Nervositäten, ADHS, Konzentrationsschwächen und alle Krankheiten, die mit einer Nervenüber-

   reizung einhergehen.

- Emotionale Stresszustände wirken sehr störend auf das Gleichgewicht im vegetativen Nervensystem.

   Diese werden durch die Entwicklung des 2. Zentrums stark reduziert. Dadurch regulieren sich auch

   die Verdauungsfunktionen, der Stoffwechsel wird angeregt.

 

Im Hatha-Yoga kennt man 5 verschiedene Energieströme (pranayama kosha), wovon das sogenannte apana am aktivsten im Becken und im unteren Bauchraum wirkt und die Ausscheidungsfunktionen regelt. Es unterstützt auf diese Weise das Immunsystem. Ist apana geschwächt steigt die Anfälligkeit für Krankheiten, die insbesondere den Unterleib, den Darm, die Nieren und Harnwege und auch die Beine betreffen. Die Mobilisierung von apana ist deswegen eines der Hauptziele im Hatha-Yoga, indem die asanas so ausgeführt werden, dass der Unterbauch stark aktiviert und die Bauchorgane dadurch massiert und angeregt werden.

Diese energetische Verbesserung der Verhältnisse hat jedoch keinen Einfluß auf die Spiritualität des Menschen. Dies kann nur durch eine bewusste Entwicklung geschehen, indem durch eigene Entscheidungen und Zielsetzungen neue Inhalte in das persönliche Leben integriert werden.

Durch die neuen Inhalte können alte Denkmuster, Glaubenssätze, halbfertige Wahrheiten losgelassen werden und neue universal gültige Werte und Ideale den Charakter des Menschen veredeln.

Aus der Auseinandersetzung mit Gedanken, die noch nicht im eigenen Bewusstsein wurzeln entstehen feinste Ätherkräfte. Da sie aus dem Gedanken entstehen, sind sie nicht an den Körper gebunden. Sie münden in den Astralkörper ein und ordnen das Bewusstsein, durchlichten die pranayama kosha und wirken von da aus wieder aufbauend und gesundheitsfördernd auf die physischen Organe. Es handelt sich daher um einen Weg von oben von einer hohen Ebene des Gedankens (mano maya kosha) nach unten bis in den Körper.

"Die manomaya kosha besteht aus vrittis (sankalpas oder Gedanken). Es ist subtiler als das pranamaya kosha. Es steuert das pranamaya kosha. So ist es das innere Selbst des pranamaya kosha. So wie das Wasser die Form des Behälters annimmt, in den es gegossen wird, und ebenso wie das Metall die Form der Form annimmt, in die es gegossen wird, so folgt auch die Form des manomaya der des pranamaya kosha. Der Mensch darf sich nicht mit den Hüllen identifizieren, das Höchste, brahman, liegt in der Überwindung der fünf Hüllen."   Swami Sivananda