Das anahata chakra

"Das Herzzentrum ist der Ort der inhaltlichen Gestaltbildung, der Fähigkeit, dem Leben einerseits mit Ruhe, aber andererseits mit hoher Aktivität entgegenzugehen. Es ist das Herzzentrum wie eine Sonne, die auf stille Weise die ausgleichende und beruhigende Wärme für das Dasein spendet..." ("Die Seelendimension des Yoga", 3. Auflage, S. 54, Heinz Grill).

Jedes Chakra korrespondiert mit einer bestimmten Fähigkeit. Das Herzzentrum ist das Zentrum der Beziehungsfähigkeit. Aus einem freien Standpunkt heraus die verschiedenen Beziehungen im Leben zu gestalten führt zu einer Mitte im Herzen.

Der Mensch ist in der Regel nicht frei. Er ist eingebunden in einen Zeitgeist und von dessen Motiven determiniert. Er ist weiterhin von seinen eigenen angelernten Denkmustern, seinen Lebenserfahrungen bestimmt und von seinem genetischen Erbgut. So lebt jeder Mensch in seiner persönlichen Sphäre und bringt sich von da aus in Beziehung zur Außenwelt. Er erlebt sich im Spannungsfeld der Polaritäten und sucht den Ausgleich zwischen den Gegensätzen des Lebens. 

 

Diese Mitte muss immer wieder bewusst hergestellt werden. Dies geschieht, indem man sich zunächst mit den verschiedenen Verhältnissen, den Mitmenschen, den Situationen konkret und objektiv aus-einandersetzt. Dann überlegt man sich, wie die Umstände idealer sein könnten und erwägt nächste Schritte, um die Dinge in diese Richtung zu formen. Der Mensch ist auf diese Weise den Verhältnissen und den damit einhergehenden Gefühlen nicht mehr ausgeliefert, sondern kann bewusst gestaltend und eigenständig führend nächste sinnvolle Schritte bedenken und einleiten. Dabei durchbricht er selbst den Kreislauf der angelegten Strukturen und der von außen einwirkenden Einflüsse immer wieder neu. Werden die Beziehungen nach spirituell-sozialen idealen Werten geordnet und führen sie für alle Beteiligten zu einem Fortschritt, legt sich eine Mitte im Menschen an, die durch ein inneres ruhiges Selbstgefühl erlebt wird, das eine natürliche Aufrichtekraft verleiht.

Rudolf Steiner bringt mit dem Herz-Chakra die Notwendigkeit der Entwicklung verschiedener Eigenschaften in Verbindung:

  • die innere Beherrschung des Gedankenverlaufes
  • die Folgerichtigkeit der Gedanken zu den Handlungen
  • die Erziehung zur Ausdauer
  • die Duldsamkeit gegenüber Menschen, anderen Wesen und auch Tatsachen
  • die Unbefangenheit gegenüber den Erscheinungen des Lebens und
  • die Erwerbung eines gewissen Lebensgleichgewichtes (Gleichmutes).

(Quelle: "Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?", Kap. Die Gliederung des Seelenleibes, Rudolf Steiner)

Die Bewegung

 

"Nicht dasjenige, was der Einzelne aus der Übung herausnimmt, was er für sich von der Übung gewinnen kann, sondern die Kräfte, die Aufmerksamkeit, die Hinwendung und inhaltliche Bewusstheit, die er in die Übung hineinlegt, kommt ihm als Erfolg und schließlich auch als Herzenskraft entgegen." 

("Die Seelendimension des Yoga", 3. Auflage, S. 108, Heinz Grill)

Ein wesentlicher Aspekt des Herzzentrums ist die kreative Gestaltungskraft. Der Übende geht deshalb nicht aus Gewohnheit in die Übung hinein. Er liest beispielsweise vorher einen Text zur Übung, bildet sich dazu möglichst authentische Vorstellungen und führt diese in die Praxis des Übens hinein. Oder er nimmt sich ein bestimmtes Thema das er während des Übens erforschen möchte. Er bleibt wach, beobachtend und dabei ordnen sich die eigenen Gedanken und Gefühle dem Thema unter. 

 

In der Zehenspitzenstellung (padangusthasana) kann besonders die schwerelose und leichte Aufrichtung in der Wirbelsäule erlebt werden bei gleichzeitigem Empfinden einer Zentrierung im Herzen. Dies entsteht besonders dann, wenn der Übende sich vor der Ausführung mit der Vertikalität der menschlichen Wirbelsäule auseinandersetzt und der Frage wodurch sich diese entgegen der Schwerkraft aufrichtet. Er wird dazu kommen, dass der Mensch im Gegensatz zum Tier in Freiheit von eigenen Trieben und Leidenschaften Gedanken entwickeln kann, daraus etwas Neues schaffen kann, Dinge weiter entwickelt werden können und ihn dies aufrichtet. Durch die Gedankenbildung erbaut sich eine freie Ätherkraft die eine schwerelose Aufrichtung ermöglicht.

Mit den Beschreibungen der Brustwirbelsäule in diesem Büchlein und der Anleitung von geeigneten Übungen soll das Thema der Mittenempfindung, der Bewusstwerdung der Mitte des Menschen angeregt und gefördert werden.

Aus dem Inhalt:

  • Die Bedeutung der Brustwirbelsäule
  • Seelische Verlebendigung der Übungen durch Inhalte
  • Die Unterscheidung von Emotion und Empfindung
  • Die Dreigliederung des Menschen
  • Die Mitte entwickelt sich durch sinnvolle Gedankenführung
  • Die Entwicklung von herzensnahen Empfindungen u.a. 

Heinz Grill, Die Gesunderhaltung des Brustorganismus

112 Seiten, kartoniert, zahlreiche farbige Abbildungen und Zeichnungen 

ISBN 978-3-935925-36-5      18 €

erhältlich im Lammers-Koll-Verlag