Die Entwicklung eines klaren, gedanklichen Bewusstseins durch Konzentration

Blüte der Feuerlilie
Blüte der Feuerlilie

"Der Gedanke besitzt eine schöpferische Kraft.

Er kann Dinge aus sich selbst heraus entstehen lassen.

Er ist der einzige, der erschafft.

Nichts kann jemals geschaffen oder neugeschaffen werden außer durch den Geist.

Der Gedanke ist der Stoff, aus dem Dinge gemacht sind.

Alle Materie ist nichts anderes als eine Materialisation von Bewusstsein...."

(aus: "Die Kraft der Gedanken" von Swami Sivananda)

Was bedeutet Konzentration im Yoga?

 

Konzentration ist die Fähigkeit, seine eigenen Gedanken, Gefühle und den Willen so zu ordnen, dass eine klare und konkrete Gedankenbildung zu einer Sache erfolgen kann. Es ist in diesem Sinne die Konzentration die Voraussetzung für eine Meditation und eine unabdingbare Disziplin zur Erlangung höherer Erkenntnisse. 

Eine kurze Übung, die zu dieser notwendigen Ordnung führt, soll hier vorgestellt werden. In einer gut zu bewältigenden Sitzhaltung bei aufgerichteter Wirbelsäule wird der Übende zunächst im Körper ganz ruhig. Mental geht er dann in einer geordneten Reihenfolge seinen gesamten Körper durch, beobachtet der Reihe nach die Beine, das Becken, die Wirbelsäule, den Bauch- und Brustraum, die Schultern und Arme, den Hals sowie den Kopf und das Gesicht. Dann richtet er die Aufmerksamkeit auf seinen Atem und beobachtet ihn, während er ihn im freien Fluss behält, nach seinem Rhythmus und seiner Intensität. Als nächstes blickt er wie ein Außenstehender auf seine automatisch ablaufenden Gedanken. Er achtet darauf, die Gedanken nicht festzuhalten und nicht zu interpretieren, sich auch nicht darin zu verlieren. Und schließlich nimmt er noch seine Gefühlsstimmungen zur Kenntnis, auch dies wie ein Zeuge von außen, ohne sich mit diesen zu identifizieren.

Am Anfang stellt es meist eine große Herausforderung dar, gerade die eigenen Gedanken zu beobachten und sie von den Gefühlen zu unterscheiden. Lässt man sich nicht irritieren und von der Übung abhalten, tritt schon bald eine bessere Fähigkeit zur freien Beobachtung ein.

 

Die Kunst, den Willen zurückzunehmen

Normalerweise ist der Wille des Menschen immer auch determiniert von äußeren Einflüssen und von eigenen inneren Bindungen an bestimmte Strukturen der Genetik. Jeder Mensch ist gewissermaßen eingebunden in eine Sphäre, die gebildet ist aus bestehenden Denk- und Verhaltensweisen, dem Zeit- und dem Volksgeist und dem Erbgut. Diese Sphäre bildet eine Hülle um den Menschen und schirmt ihn ab von höheren Erkenntnissen. Sie muss deshalb für die Konzentrationsübung zurückgelassen werden.

 

Jede menschliche Handlung trägt ein Begehren nach einem Gewinn in sich. Der begehrliche Wille muss für die Konzentration so geordnet werden, dass die Aufmerksamkeit auf etwas ruhen kann, das dem Menschen eigentlich gar nichts einbringt. Es muss sich der Wille dem Denken unterordnen, damit die Gedankenkraft ruhig und gelöst für eine vorgenommene Zeit auf dem gewählten Objekt ruhen kann. Die Willensausrichtung muss für die Übung sozusagen umgekehrt werden. Während der Wille normalerweise zum unmittelbaren Erreichen einer Absicht eingesetzt wird, dient er in der Konzentrationsübung als Zugseil damit der Gedanke bewahrt werden kann und frei bleibt von subjektiven Zugriffen. Diese Willensumkehrung ist sehr wesentlich, denn nur dann können die Gedanken störungsfrei von eigenen Vermutungen und Beimischungen gedacht werden. Der Wille ist so einzuordnen, dass ein Raum geschaffen wird für die Entfaltung des Gedankens

  

Die Konzentration beschreibt in diesem Sinne eine klare Ordnung der drei Seelenkräfte, indem das Denken von dem Fühlen und dieses wiederum von dem Willen getrennt wird. Erst dann kann als nächster Schritt ein bewusster Gedankeninhalt vorgenommen werden. Dieser Inhalt wird dann wie ein außenstehender Gegenstand betrachtet und führt so zu einer reineren Bewusstheit.

(siehe auch das Kapitel "Die Konzentration" aus dem Buch "Ein Neuer Yogawille und seine therapeutische Anwendung bei Ängsten und Depressionen" von  Heinz Grill)