Meditation

Das Wort „Meditation“ kommt aus dem lateinischen Wort „meditari“ was soviel heißt wie nachsinnen, nachdenken, sich üben, sich vorbereiten. Es hat seine Wurzel im griechischen Wort „medomai“, ich bin auf etwas bedacht, ich ersinne. Die griechische Verbform ist eine medium-Form, eine passive Form mit aktiver Bedeutung. Das bedeutet, während man meditiert, geschieht einem selbst etwas. Dies ist in der deutschen Sprache vergleichbar mit Reflexivverben wie sich anziehen, sich waschen etc.

Meditation wird auch mit einem intensiven Nachdenken im Sinne einer sinnenden Betrachtung, einer religiösen Versenkung beschrieben. 

 

Es ist heute für den gestressten Bürger sehr modern geworden zu meditieren. Man entdeckte die Meditation als effektives Entspannungsverfahren, das auch ohne Spiritualität funktioniert und viele angenehme Wirkungen hervorbringt. Wissenschaftliche Studien bestätigen ein reduziertes Stress- und Angsterleben, die Steigerung der Konzentration, ein besseres Körperbewusstsein, einen guten Schlaf, die Stärkung des Immunsystems um nur einige Auswirkungen zu nennen.

Hierzu werden verschiedene Methoden angeboten wie beispielsweise den Atem für einige Zeit zu beobachten, ganz leer zu werden und das Denken auszuschalten oder tief in den Körper hineinzuspüren.

 

Gibt es außer den vielen Vorteilen für das eigene Wohlergehen noch Gründe für die Praxis der Meditation?

 

Swami Sivananda unterscheidet die Konzentration (dharana) von der Meditation (dhyana). Sein Bewusstsein auf Gegenstände innerhalb oder außerhalb des eigenen Körpers zu richten und es unverwandt eine Zeitlang in diesem Zustand zu halten, beschreibt er als Konzentration. Als Voraussetzung für die Übung der Konzentration nennt er die ethische Vollkommenheit im Sinne eines moralischen Charakters. Meditation folgt der Konzentration und ist der nie versiegende Strom des einen Gedankens Gottes, des Atman. In der von ihm benannten konkreten Meditation meditiert der Schüler über eine sehr vollkommene und erhabene Person und erschaut diese mit dem inneren Blick. Das was der Schüler erschaut, zu dem wird er selbst, „Tat Twam Asi“ (Das bist du).   

 

 

"Übungen zu Konzentration und Meditation"

Swami Sivananda Sarisvati

ISBN 978-3897675667

erschienen im Schirner Verlag

 

Bei dieser Beschreibung erhält man eher den Eindruck, dass durch die Meditation etwas zurückgelassen wird um durch die tiefe Hinwendung an eine Gottheit oder einen anderen Menschen dessen Qualitäten zu erschauen und schließlich aufzunehmen.

 

Auch Rudolf Steiner, der Begründer der Anthroposophie, hat verschiedene Meditationstechniken entwickelt. Für ihn ist Meditation ein Weg, eine Verbindung zu den Wesen der höheren Hierarchien einzugehen. Es ist ein Erkenntnisweg zum Schauen der geistigen Welten.

Mit der Naturmeditation lenkt der Schüler beispielsweise die ganze Aufmerksamkeit auf bestimmte Erscheinungen des Lebens, zum einen auf das sprießende, wachsende und gedeihende Leben und zum anderen auf Erscheinungen die mit dem Verblühen, Verwelken und Absterben zusammenhängen. Der Schüler verbannt alles andere aus seiner Seele und gibt sich ganz dem jeweiligen Eindruck hin. In seinem Inneren ersteht dann eine bestimmte Gefühlsform auf, die er vorher nicht kannte. Aus diesen so entstandenen Gedanken und Gefühlen erbauen sich die Hellseherorgane. Es kann sich mit der Übung soweit steigern dass diese Eindrücke als geistige Gestalten erkannt werden können.   

 

 

"Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten"

Rudolf Steiner

ISBN 978-3958010208

erschienen im Hugendubel Verlag

 

Auf diese Weise kann der Schüler lernen, das Wesen hinter den Sinneswahrnehmungen durch seelisches Beobachten zu schauen. Er schult sein ganzes Seelenleben und entwickelt dadurch verborgene innere Sinne. Meditation geht hier mit dem Wunsch nach Entwicklung und umfassenderer Erkenntnis einher.

(zur anthroposophischen Meditation siehe auch www.infameditation.de)

 

Heinz Grill, der Begründer des Neuen Yogawillen, geht davon aus, dass jeder Mensch durch sein Denken, sein Fühlen und seinen Willen bewusst oder unbewusst ständig etwas in den Kosmos hineinträgt. Dies kann von positiver oder negativer Qualität sein und durch geistiges Schauen wahrgenommen werden. Diese Vorstellung, dass der Mensch Teil eines Gesamten ist und durch seine Haltung ständig etwas abgibt und damit auch den Kosmos mit beeinflusst, dürfte den meisten Menschen heute sehr fremd sein. Es ist ein Bild wie das einer Sonne, bei der die Strahlen nicht hinweg von der Sonne, sondern hin zu der Sonne gedacht werden.

 

In der Meditation widmet man sich nun ganz gezielt dieser Disziplin, dasjenige in den Kosmos hineinzutragen, das der Kosmos auch gebrauchen kann und richtet die Meditation dahingehend aus. Das Lesen von inspirativen Schriften (svadhyaya) gibt eine Grundlage zur Meditation. Es können Gedanken aus solchen Schriften genommen werden und so frei von eigenen körperlichen, emotionalen und intellektuellen Strömen gedacht werden, dass sie eine universale Substanzerkraftung geben und wie die Sonne auch wieder auf den Menschen zurückwirken. Die Konzentration wie sie hier beschrieben ist, bildet die Voraussetzung zu einer Ordnung im Bewusstsein, damit ein Gedankeninhalt wirklich frei gedacht werden kann.

 

 

 

"Die Meditation - ein überirdischer Funke des Denkens"

Heinz Grill

Broschüre, erhältlich im Lammers-Koll-Verlag

Durch diese Meditation lernt man Gedanken aus der geistigen Welt kennen. Pflegt jemand über längere Zeit einen solchen Gedankeninhalt und verinnerlicht ihn durch weitere Vorstellungs- und Erkenntnis-bildung dann wird dieser Gedanke zu einer Substanzkraft in seiner eigenen Seele und strahlt auf heilsame Weise durch ihn selbst wieder aus zu den Mitmenschen hinüber. Es darf die Meditation in diesem Sinne als Synthese zwischen Geist und Welt bezeichnet werden.

Es gibt heute sehr viele Formen, die man als Meditation bezeichnet. Oft wird eine vollkommene Stille oder ein Leerwerden praktiziert. 

Um sich dem Begriff der Meditation wie er hier verstanden wird, langsam anzunähern, empfehlen wir das Buch "Der freie Atem und der Lichtseelen-prozess" von Heinz Grill. 

Der Autor schreibt selbst in einem einleitenden Kapitel: "Mit den Worten, die das Bewusstsein zu samadhana und zu dharana schulen und schließlich zu dhyana öffnen und auskristallisieren, kann jede Übung auf dem Weg, wie er hier beschrieben ist, mit mehr Klarheit und Wissen begonnen werden.'"

Er bezeichnet den Yoga als eine neue Yogaempfindung, wobei gezielt Vorstellungen und Gedanken zur Außenwelt gebildet werden und diese so lange durch Konzentration vertieft werden, bis sie als Empfindung im Lichte der Meditation mit ihrer Tiefe erscheinen. (S. 244)

 

Dieses Buch enthält u. a. neun sorgfältig beschriebene Seelenübungen. Sie können nach eigenem Ermessen selbständig durchgeführt werden. Die Übungen fördern eine wache Aufmerksamkeit nach außen. Sie schulen die Seelenkräfte zu einem klaren, konkreten, objektiven Denken, einem wahrnehmungsvollen Empfinden und einen an Lebensidealen orientierten, zielgerichteten Willen.

Die auf diese Weise weiter entwickelten Seelenkräfte bilden eine Grundlage für eine übersinnliche Erkenntniskraft. Deshalb möchten wir dieses Buch an dieser Stelle vorbereitend zur Meditation empfehlen.

ISBN 978-3-9068-7333-6 erschienen im Synergia-Verlag Zürich